Meißel für die Steinbildhauerei - worauf sollten Sie achten?


Bei der Auswahl Ihres Bildhauer-Werkzeugs sollten Sie ein paar Dinge beachten: Im Vordergrund steht natürlich, was für einen Stein Sie bearbeiten möchten – handelt es sich um Weichgestein oder Hartgestein? Geht es darum, zunächst viel Material abzutragen, zu formen oder Details herauszuarbeiten? Das entscheidet über die Form der Meißel. Aus der Art des Steins ergibt sich, ob Sie eher Schmiedestahl-Meißel benötigen oder mit Hartmetall-Werkzeugen arbeiten sollten. Aus der Wahl des Schlagwerkzeugs folgt, ob Sie sich besser Meißel mit Schlägelkopf oder mit Klüpfelkopf aussuchen. Im Folgenden finden Sie ein paar Entscheidungshilfen – gern steht Ihnen natürlich auch das bildhau-Team am Telefon oder im Ladengeschäft in Köln beratend zur Seite!

Schmiedestahl oder Hartmetall?

Steinmetze und Steinbildhauer wählen je nach Gesteinsart Meißel aus Schmiedestahl oder Hartmetall. Etwas vereinfacht gesagt sind Schmiedestahl-Meißel besonders geeignet für die Bearbeitung von Weichgestein, Hartmetall-Meißel dagegen für Hartgestein. Natürlich kann aber auch Weichgestein mit Hartmetall-Meißeln bearbeitet werden!

Der große Vorteil der oft in Handarbeit hergestellten Schmiedestahl-Meißel ist, dass sie mit einem geringeren Schneidwinkel ausgeschmiedet werden können, außerdem mit sehr scharfen Kanten und einer gehärteten Spitze. Schmiedestahl-Meißel sind damit ideal für das Schlagen von kristallinen Gesteinen, also z.B. Marmor: Wenn Sie die Meißel in einem flachen Winkel ansetzen, schonen Sie die Kristallstruktur des Steins. Wie wichtig das z.B. bei der Mamorbearbeitung ist, merken Sie, wenn Sie den Stein schleifen und polieren möchten: Haben Sie den Meißel zu senkrecht angesetzt, sehen Sie oft punktförmige „Preller“ – Sie müssen den Stein dann sehr weit herunterschleifen, um diese Beschädigungen wieder verschwinden zu lassen.

Schmiedestahl-Meißel verlieren bei der Arbeit schnell an Schärfe und müssen entsprechend regelmäßig nachgeschärft werden. Sehr einfach geht das von Hand z. B. mit einem Diamant-Schärfblock. Ein paar Tipps zum Schärfen finden Sie weiter unten! Haben Sie Ihre Meißel schon sehr oft nachgeschliffen, können sie auch noch einmal nachgeschmiedet werden: Die Spitze erhält dann wieder eine optimale Schärfe und Ihre Meißel sind wie neu. bildhaubietet Ihnen einen Nachschmiede-Service an – fragen Sie uns einfach!

Hartmetall-Meißel sind im Prinzip auch Stahl-Meißel, haben aber einen Hartmetall-Einsatz. Hartmetall finden Sie häufig unter dem Begriff WIDIA, der sich von der Bezeichnung „Wie Diamant“ ableitet – Diamant ist das härteste Mineral (10 auf der Mohs-Skala), das entsprechend Spuren in allen anderen Gesteinsarten hinterlässt. Der Schneidwinkel von Hartmetall-Meißeln ist in der Regel stumpfer als bei Schmiedestahl-Meißeln: Hartmetall ist zwar auf der einen Seite extrem hart, auf der anderen aber auch spröder, weshalb dünn und spitz geschliffenes Hartmetall leicht brechen kann. Mit einem stumpferen Meißel können Sie aber besonders gut härteres Gestein schlagen. Denn grundsätzlich gilt die Regel: Je härter der Stein, desto stumpfer muss der Schneidwinkel des Meißels sein. Aufgrund ihrer Härte gibt es bei Hartmetall-Meißeln weniger Abrieb durch den Stein, so dass sie auch sehr viel seltener nachgeschärft werden müssen, d.h. die Schneide hat eine deutlich längere Standzeit. 

Meißel aus Schmiedestahl empfehlen wir für die Bearbeitung von weichem und mittelhartem Stein, etwa bis zu einer Härte von 3 auf der Mohs-Skala. Dazu gehören SpecksteinAlabaster und weicherer Serpentin, aber auch die meisten Marmor-Sorten sowie weicher und mittelharter Kalkstein.

Hartmetall-Meißel kommen entsprechend bei härteren Gesteinen zum Einsatz, etwa ab einer Härte von 4 auf der Mohs-Skala. Das beginnt bei härterem Marmor oder hartem Kalkstein und geht bis zu Hartgestein wie Granit, Gabbro oder Gneis und Diabas. Mit Hartmetall-Meißeln können Sie auch Sandstein bearbeiten – die scharfkantigen Quarzanteile im Sand können bei Schmiedestahl-Meißeln zu starkem Abrieb führen, Hartmetall hält länger.

Welcher Meißel für welche Arbeit?

In der Steinbildhauerei gibt es verschiedene Meißel- und Werkzeug-Formen. Welche eignen sich für welche Arbeiten? 

Sprengeisen benutzt man für einen großen Materialabtrag, um z.B. bei kristallinem Gestein bei gesägten Steinblöcken eine Sägekante zu beseitigen. Geschlagen wird mit einem Fäustel, der Schlag geht immer von der Sägekante aus.

Beiz- und Schlageisen werden eingesetzt, um exakte Kanten zu schlagen.

Ein Spitzeisen oder einen groben Preller setzen Sie je nach Gesteinsart ein, um viel Material abzutragen und zunächst die grobe Form herauszuarbeiten. Es ergibt sich außerdem eine ganz besondere Struktur, wenn eine Oberfläche „gespitzt“, d.h. gleichmäßig mit einem Spitzeisen oder Preller bearbeitet wurde.

Ebene oder geschwungene Flächen können Sie z. B. mit einem Zahneisen oder Zahnmeißel schaffen, nachdem zunächst das Spitzeisen zum Einsatz gekommen ist.

Rundeisen nutzen Sie, um Höhlungen herauszuarbeiten.

Flacheisen eignen sich besonders gut für Flächen und sauber herausgearbeitete Kanten, aber auch für Schriften. Schmalere Flacheisen werden deshalb oft auch Schrifteisen genannt. Sie sind gut für viele Arten von Details.

Scharriereisen setzen Steinmetze vor allem für Sand- und Kalksteine ein, um gerade Flächen zu schlagen. Mit einem Scharriereisen kann man aber auch Oberflächen gestalten und z.B. Fischgrat-Strukturen schaffen.

Eine Fläche nutzt man für ähnliche Zwecke wie ein Scharriereisen. Mit einer Fläche arbeiten Sie jedoch grober. Sie eignet sich gut, um z.B. Quader zu formen.

Mit einem Stockhammer haben Sie einen geringen Materialabtrag. Sie gestalten damit vor allem die Oberfläche Ihres Steins.

Schlägelkopf oder Klüpfelkopf?

Unabhängig davon, ob Ihre Meißel aus Schmiedestahl oder aus Hartmetall sind, gibt es unterschiedlich ausgeformte Enden: Meißel haben entweder einen Schlägelkopf oder einen Klüpfelkopf. Beim Schlägelkopf verjüngt sich der Meißel zum Ende hin, d.h. das Ende hat einen geringeren Durchmesser als der Meißel selbst. Ein Meißel mit Klüpfelkopf hat dagegen ein breiter ausgeschmiedetes Ende, d.h. die Schlagfläche ist größer als der Meißel-Durchmesser. Welche Form für Ihre Arbeit die richtige ist, ergibt sich daraus, mit welchem Schlagwerkzeug Sie arbeiten – einem Fäustel, nur noch selten auch Schlägel genannt, oder einem Klüpfel, mancherorts auch Knüpfel. Und der sollte zum Stein passen!

Welches Schlagwerkzeug für welche Meißel bzw. welche Steine?

Zu den Schlagwerkzeugen in der Steinbildhauerei gehören Fäustel und Klüpfel aus den verschiedensten Materialien, vor allem Metall, Holz und Kunststoff. bildhau hat z. B. Fäustel aus Eisen und Stahl in unterschiedlichen Gewichtsklassen im Angebot, außerdem Klüpfel aus Eisen, Stahl, Messing und Bronze, Buchenholz und Kunststoff.

Der hammerförmige Fäustel, früher auch oft Schlägel genannt, aus Eisen oder Stahl hat einen sehr direkten Schlag, der über Ihren Meißel kraftvoll auf den Stein übertragen wird. Mit einem Fäustel schlagen Sie vor allem Stein mit kristalliner Struktur und fester Bindung, wie z.B. Marmor oder härteren Kalkstein. Fäustel aus Stahl verwenden Sie, um z.B. mit Sprengeisen und Spitzeisen zu arbeiten. Als grobe Faustregel lässt sich sagen: Wenn viel Stein abgetragen werden soll, nehmen Sie eher ein Schlagwerkzeug aus Stahl, für die filigranen Arbeiten eher eines aus Eisen oder einem weicheren Material wie Messing oder Bronze. 

Wenn sie mit einem Fäustel arbeiten, wählen Sie entsprechend Meißel mit Schlägelkopf. Bei intensiver Arbeit kann es passieren, dass der schmale Meißelkopf durch das Schlagen in die Breite getrieben wird. Es entsteht dann eine Art Kragen, an dem man sich leicht verletzen kann. Es empfiehlt sich deshalb, die Meißelköpfe immer wieder mit dem Winkelschleifer in Form zu bringen.

Für weiche Steine, z.B. Speckstein oder Alabaster, und Gestein mit weicher Bindung, wie mancher Sand- oder Kalkstein, ist es schonender, mit einem (Holz)Klüpfel zu arbeiten. Entsprechend nutzen Sie Meißel mit Klüpfelkopf. Der breite Kopf dieser Meißel schont vor allem ihr Schlagwerkzeug: Das schmale Ende eines Schlägelkopf-Meißels würde sich mit der Zeit in das Material des Klüpfels eindrücken und ihn dadurch beschädigen.

Welche Meißel und Schlagwerkzeuge von Bildhauern benutzt werden, hängt aber nicht nur vom Stein ab, sondern auch von Traditionen und eigenen Vorlieben: Marmor wird in der klassischen italienischen Bildhauerei grundsätzlich mit dem Fäustel geschlagen, einheimischer Sandstein in Deutschland mit dem Klüpfel.

Welches Schlagwerkzeug setzen Sie wann ein?

Den direktesten Schlag hat ein Fäustel oder Klüpfel aus Stahl. Sie passen gut zur Arbeit mit dem Spitzeisen, Sprengeisen oder Hartmetall-Prellern.

Etwas weniger direkt ist der Schlag mit einem Fäustel oder Klüpfel aus Eisen. Sie nutzen ihn deshalb am besten für Zahneisen, Flach- und Schrifteisen, um Oberflächen zu glätten und Details herauszuarbeiten. Außerdem können Sie mit dem Eisen-Fäustel sehr schön Marmor mit dem Spitzeisen schlagen. Auch wenn Sie gerade erst mit der Steinbildhauerei anfangen, empfehlen wir Ihnen einen Eisen-Fäustel.

Klüpfel aus Weißbuche oder Kunststoff wählen Sie für AlabasterKalkstein und Sandstein. Auch die Oberflächenbearbeitung anderer Gesteinsarten lassen sich gut mit einem Holz- oder Kunststoffklüpfel ausführen.

Klüpfel mit Bronze- oder Messingkopf sind weicher als Schlagwerkzeuge aus Eisen und haben im Verhältnis zu ihrem Gewicht ein recht kleines Volumen. Sie können auf einen langen Stiel verzichten, sind damit sehr handlich und beweglich. So können Sie auch in engeren Höhlungen arbeiten oder sehr exakt und wohldosiert Details schlagen.

Nicht zuletzt sollte auch des Gewicht Ihres Fäustels oder Klüpfels im passenden Verhältnis zum Meißeldurchmesser stehen – denn schließlich soll vor allem Ihr Schlagwerkzeug die Arbeit machen und nicht Ihre Muskeln. Zur groben Orientierung empfehlen wir deshalb:

Meißel-Durchmesser             Gewicht Schlagwerkzeug

8 mm – 10 mm                       bis zu 500 g

10 mm – 12 mm                     bis zu 600 g

12 mm – 14 mm                     bis zu 750 g

14 mm – 16 mm                     bis zu 900 g

Bildhauermeißel mit dem Diamantschärfblock von Hand schärfen

Scharfes Werkzeug ist in der Bildhauerei für präzises Arbeiten unentbehrlich. Und nur so macht es Spaß!

Oft passiert nämlich folgendes: Mit abnehmender Schärfe werden Meißel zunehmend steiler angesetzt, um ein Abrutschen vom Stein zu vermeiden. Die Folge dieser senkrechten Einwirkung können viele kleine punktförmige Beschädigungen im Stein sein, die erst während der Schleif- und Polierarbeiten sichtbar werden – und das macht keinen Spaß! Deshalb sollten vor allem Schmiedestahl-Meißel je nach Härte des Steins ein bis vier Mal pro Arbeitsstunde geschärft werden. Nur so lässt sich mit Vergnügen arbeiten!

Sowohl Schmiedestahl- als auch Hartmetall-Meißel können maschinell z. B. mit einer TORMEK-Nassschleifmaschine geschärft werden. Fast genauso schnell geht es aber auch von Hand mit einem Diamanschärfblock, mit dem man trocken oder nass schleifen kann. Die Diamantschärfblöcke von bildhau sind klein und handlich und damit gut zu transportieren, anders als z.B. Banksteine, die auch vielfach zum Schärfen genutzt werden.

Profis schleifen ihre Werkzeuge grundsätzlich je nach Härte des Steins und Einsatzzweck des Werkzeugs individuell für jede Anwendung an.

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